Typische Pferdekrankheiten

Stuten mit ihren Fohlen in der Carmargue

Für einen schnellen Überblick zeige ich euch hier typische Pferdekrankheiten, von denen einige einen Tierarzt benötigen. Später gehe ich dann noch mehr ins Detail und nehme auch noch mehr Erkrankungen mit auf.

 

Welche Pferdekrankheiten kommen relativ häufig vor? Im Folgenden stelle ich euch  typische bzw. häufig auftretende Pferdekrankheiten vor. Ich möchte vorwegnehmen, dass ich hier keine Behandlungspläne vorgebe. Jede Diagnose muss an dem jeweiligen Pferd von einem Tierarzt oder Tierheilpraktiker gestellt und entsprechend behandelt werden. Ich gebe hier lediglich Tipps, was gegebenenfalls beim Auftreten gewisser Symptome zu tun ist.

Kolik

Als Kolik werden zunächst einmal Schmerzen im Magen-Darm Trakt im Allgemeinen bezeichnet. Das Auftreten der Kolik zeigt somit, dass eine Fehlfunktion im Magen oder Darm vorliegt.

 

Ursachen: Es gibt viele verschiedene Ursachen für eine Kolik. Von einer Magenschleimhautentzündung (Gastritis) über Magengeschwüre, Darmabschnürungen, die zu Verstopfungen führen oder Darmverlagerungen ist alles möglich. Meist wird jedoch ein Teil des Grimmdarms abgeschnürt, so entsteht ein Rückstau an unverdautem Futter. Der Darm dehnt sich immer mehr aus und das Pferd bekommt starke Schmerzen. Auch Stress kann eine Ursache für eine Kolik sein.

 

Symptome: Das Pferd wird sehr unruhig, dreht sich hin und her, scharrt, wird sich hinlegen und wieder aufstehen, sich gegen den Bauch treten oder versuchen, reinzubeißen. Manche beginnen zu Gähnen, bleiben länger liegen, verweigern Nahrung oder bekommen Schweißausbrüche. Jedes Pferd ist anders, daher können auch die Anzeichen unterschiedlich sein.

 

Besonderheiten bei Fohlen: liegen ruhig und ziehen die Beine an, strecken den Kopf nach vorne aus, die Herzfrequenz ist stark erhöht bei ca. 140 statt 60-80.

 

Eine unbehandelte Kolik kann tödlich enden!

 

Was ist zu tun?: Sofort den Tierarzt anrufen! Hier hat auch ein Tierheilpraktiker alleine nichts verloren. Im Zweifel schon mal einen Hänger vorbereiten für den direkten Transport in die Pferdeklinik. Dazu muss das Pferd in Bewegung gehalten werden. Langsam im Schritt herumführen kann helfen. Ist ein Tierheilpraktiker schneller vor Ort als der Tierarzt, kann der mit Homöopathie oder ggf. Akupunktur das Pferd unterstützen und beruhigen, bis der Tierarzt da ist.

Schlundverstopfung

Bei einer Schlundverstopfung bleiben Teile des Futters im Schlund stecken. Die Muskulatur verkrampft sich und das störende Element kann nicht mehr abgeschluckt werden. Dies kann lebensgefährlich werden. Ein ganzer Apfel kann als Beule am Hals richtig sichtbar sein.

Ein Apfel liegt auf der Handfläche

Ursachen: Es gibt drei Grundursachen für eine Schlundverstopfung. Zum einen gibt es extrem schnell fressende Pferde, die nicht richtig kauen und alles gierig runterschlucken. Auch Zahnprobleme können dazu führen, dass nicht richtig gekaut wird und so viel zu große Teile des Futters abgeschluckt werden. Doch auch falsche Fütterung kann Ursache sein. Möhren oder Äpfel, die nicht zerbissen werden, sind bei einer Schlundverstopfung oft richtig sichtbar. Doch auch in Scheiben geschnitten Möhren können in Maul durchrutschen und dann eine Schlundverstopfung verursachen.

 

Symptome: Starker Husten, starker Speichelfluss, Panik und Futter, das aus der Nase kommt sind deutliche Symptome für eine Schlundverstopfung. Das Pferd wird den Kopf sehr tief halten und weil es kaum Luft bekommt, nach einer Weile Kreislaufprobleme bekommen. Auch hier zählt wie bei der Kolik jede Minute, es muss sofort gehandelt werden.

 

Was ist zu tun?: Sofort den Tierarzt anrufen! Man kann vorsichtig versuchen, das Futter am Hals in Richtung Magen zu massieren. Der Tierarzt wird dann mit einer Schlundsonde den Weg freispülen. Nach einer Schlundverstopfung besteht die Gefahr einer Lungenentzündung durch eingeatmetes Futter. Meist wird zur Prophylaxe Antibiotikum gegeben. Wichtig ist, das Pferd in den kommenden 7 Tagen unter mehr Beobachtung als sonst zu behalten.

Atypische Myoglobinurie

Die Atypische Myoglobinurie ist eine Pferdekrankheit im Bewegungsapparat, die Weidepferde betrifft. Sie hat die gleichen Symptome wie der „Kreuzverschlag“ (akute Rhabdomyopathien).

 

Ursachen: Die Ursachen für eine atypische Myoglobinurie ist bisher noch nicht sicher festgestellt. Oft tritt es im Herbst und Frühling auf. Kalte, feuchte Nächte scheinen der Auslöser zu sein. Die Pferde sind noch nicht bzw. nicht mehr eingedeckt und so der feuchten Kälte ausgesetzt. Leider endet die Krankheit meist tödlich.

 

Symptome: Die Symptome gleichen denen des klassischen Kreuzverschlags. Die Muskulatur ist völlig verhärtet, der Gang ist steif, das Myoglobin färbt den Urin braun und in den Blutwerten ist der Kreatinkinase-Wert extrem erhöht. Allerdings ist es möglich, dass die Pferde am nächsten Morgen bereits unbeweglich auf der Koppel liegen.

 

Was ist zu tun?: Sofort den Tierarzt anrufen, in warme Decken einpacken, lauwarmes Wasser oder Tee tränken, wenn möglich, ins Warme bringen (ggf. mit dem Hänger).

 

Prophylaxe: Lieber abends noch eindecken und am Tag die Decken wieder abnehmen, falls es tagsüber zu warm ist. Auf der Koppel sollte ein großer Unterstand zum Schutz gegen Nässe und kalten Wind vorhanden sein.

Pferde-Influenza

Die Influenza bei Pferden ist eine hochansteckende Viruserkrankung. Sie verläuft akut und betrifft die Atemwege bei Einhufern aller Altersstufen.

 

Ursache: Virus, Ansteckung über Nasenschleim anderer Pferde (mind. 5 Tage lang ansteckend); Inkubationszeit 2-3 Tage

Symptome: starke Rötung der Nasenschleimhaut, Nasen- & Augenausfluss, Temperatur 39,5° – 41,°C, nach 36 Stunden hohler Husten, Dauer etwa 2 Wochen

 

Was ist zu tun?: Tierarzt anrufen, das betroffene Pferd in Quarantäne stellen, andere Pferde in den nächsten 3 Tagen auf gleiche Symptome hin beobachten

Botulismus

Botulismus ist eine Vergiftung, die bei allen Warmblütern und Vögeln durch Futter bzw. Lebensmittel entstehen kann. Das Botulismus Toxin ist die giftigste der bisher bekannten Substanzen.

 

Ursachen: Das Botulismus Toxin (Clostridium botulinum) ist in der Umwelt überall verbreitet und sitzt beispielsweise auch im Boden. In Tierkadavern vermehren sich diese Bakterien besonders gerne und wachsen nur unter Luftabschluss. Wenn sich also ein toter Vogel in dem Silageballen befindet, der durch die Folie luftdicht ist, ist der ganze Ballen kontaminiert. Fressen Pferde diese Silage, endet das meist tödlich. Die Inkubationszeit beträgt 12-14 Stunden.

 

Symptome: Das Gift verhindert die Kommando-Übertragung von Nerven zu Muskeln. Die Folgen sind: steifer Gang, Bewegungsstörungen, Kau- und Schluckbeschwerden, erschwertes Aufstehen und Festliegen, Darmgeräusche hören auf.

 

Was ist zu tun?: Sofort den Tierarzt anrufen! Das Einzige, was helfen kann, ist eine Serumtherapie. Außerdem muss die Quelle des vergifteten Futters gefunden und unschädlich gemacht werden. Alle anderen Pferde ebenfalls auf Botulismus Symptome beobachten!

Druse

Druse ist eine hochansteckende Pferdekrankheit. Sie wird von dem Bakterium Streptococcus Equi ausgelöst und betrifft die Atemwege und Lymphknoten.

 

Ursache: Bakterien, die sich über Tröpfcheninfektion von Pferd zu Pferd, aber auch von Pferd über Mensch zu Pferd verbreiten können. Die Inkubationszeit beträgt 3-8 Tage.

 

Symptome: Hohes Fieber, Entzündung der oben Atemwege, Schwellung der regional Lymphknoten in der Kopfregion, nachweisbar über Abstrich

 

Was ist zu tun?: Den Tierarzt und den Tierheilpraktiker anrufen. Bei Druse ist der Einsatz von Antibiotika umstritten, der Einsatz von Cranberrys hingegen kann die Bakterien um bis zu 30% reduzieren. Zudem kann das Fieber mit Akupunktur etwas gesenkt und der Körper mit homöopathischen Mitteln unterstützt werden. Das Pferd muss geschont werden um sich in Ruhe auszukurieren.

 

Bis vor ein paar Jahren war Druse meldepflichtig. Das erkrankte Pferd muss sofort in Quarantäne, alle anderen Pferde im Bestand müssen gut beaufsichtigt werden. Die Streptococcus Equi überleben bis zu 8 Wochen, daher darf das Pferd erst nach einem negativen Abstrich zurück in die Herde.

Herpes

Herpes bei Pferden ist eine sehr ansteckende Viruserkrankung der oberen Atemwege bei Pferden, die mit Fieber einher geht. Eine Form des Virus löst bei trächtigen Stuten den Abort aus.

 

Ursache: Virus, Inkubationszeit 3-10 Tage, Ansteckung durch Atmungs- und Verdauungstrakt. Die Ansteckung findet über eine Tropfeninfektion statt. Dafür muss ein Pferd nicht direkt nebenan stehen, beim Schnauben fliegen die infektiösen Tropfen auch bis 10 Meter weit.

 

Symptome: schleimige Entzündung der oberen Atemwege, Fieber 40°-41°C, nachweisbar nur über Erreger oder Antikörper

 

Was ist zu tun?: Der Tierarzt kann eine Herpeserkrankung nur über eine Blutprobe feststellen. Die Krankheit heilt in 2-5 Wochen aus. Wichtig: Das betroffene Pferd muss sofort in Quarantäne, andere Pferde ebenfalls auf Symptome beobachten. Wer mit dem betroffenen Pferd zu tun hat, sollte andere Ställe meiden. Desinfektionswannen sollten aufgestellt werden.

 

Prophylaxe: Eine Impfung gegen zwei von vier Herpestypen ist alle 6 Monate möglich. Für Turnierreiter ist dies vorgeschrieben. Freizeitreiter können sich ein Impfschema mit ihrem Tierarzt besprechen. Wichtig: Die Impfung verhindert nicht den Ausbruch der Krankheit, sie mindert nur die Anzahl der Erreger.

Infektiöse Anämie der Pferde

Die Infektiöse Anämie ist eine weltweit auftretende Viruserkrankung bei Einhufern (Pferde, Esel, Mautiere, Maulesel). Die Krankheit ist meldepflichtig und erkrankte Tiere müssen getötet werden.

 

Ursachen: Andere erkrankte Pferde oder Blutsauger wie Bremsen können diese Pferdekrankheit übertragen. Sie tritt häufiger in großen Ställen auf. Der Erreger wird sowohl über Speichel, Urin und Nasensekret als auch über Kot und Urin ausgeschieden. Inkubationszeit 5-30 Tage

 

Symptome: gerötete Augen, blasse Schleimhäute auf Grund der eintretenden Herzschwäche, Schwäche, Gewichtsverlust, Kolik, Fieber bis 41°C, Blut in Kot

 

Was ist zu tun?: Sofort Tierarzt anrufen, der bei Seuchenverdacht das Veterinäramt verständigen muss. Bei Verdachtsbestätigung muss das Pferd getötet werden, da es lebenslang ein Überträger dieser Krankheit wäre.

Die folgenden Krankheiten benötigen meist keinen Tierarzt, sind aber ebenfalls typische Pferdekrankheiten.

Mauke

Mauke ist eine von Bakterien ausgelöste Hauterkrankung in der Fesselbeuge der Pferde. Meistens sind Pferde mit langem und dichtem Fesselbehang betroffen, beispielsweise Friesen oder div. Kaltblüter. Vorwiegend tritt diese Pferdekrankheit in den feuchten Wintermonaten auf.

 

Ursache: Andauernde Nässe, matschige Paddocks, Streusalz und Urin reizen die Haut extrem. Durch den Fesselbehang kann die Haut nicht mehr richtig gesäubert werden und nicht abtrocknen. Auch kann Mauke ein Entgiftungsprozess des Körpers darstellen.

 

Symptome: nässende, teils eitrige Wunden an den Fesseln, die unangenehm riechen und jucken, zum Teil mit Krustenbildung.

 

Behandlung/Prophylaxe: Obwohl der Fesselbehang der betroffenen Pferde ein Rassemerkmal ist, wäre eine Methode, um schnell und effektiv zu helfen, den Behang einfach mal abzuschneiden. So oder so ist Hygiene ein wichtiger Faktor. Die Wunden müssen täglich mit Jod Lösung desinfiziert und gesäubert werden. Zudem soll Zinksalbe, Salbe aus Manuka Honig oder auch Silicea Balsam, direkt auf die betroffenen Stellen geschmiert, gut helfen.

 

Außerdem schaut ein Tierheilpraktiker auf die Ursache der Mauke. Alternative Heilmethoden können eine erfolgreiche Therapie bringen.

Cushing

Das Equine Cushing Syndrom ist in den letzten Jahren immer häufiger diagnostiziert worden, in meinem persönlichen Umfeld leider aber auch gelegentlich zu Unrecht – was sich später herausstellte. Das Schwierige an der Diagnosestellung ist die Vielfalt der Symptome, die auftreten können.

 

Ursache: Cushing ist eine Hormonstörung, die auf einer Erkrankung der Hirnanhangdrüse beruht.

Zum einen ist die Ausschüttung von Dopamin (auch Glückshormon genannt) stark reduziert. Dopamin ist ein Neurotransmitter, es gibt also wichtige Kommandos von Hirn an das zentrale Nervensystem weiter, ist auch für die Verantwortung der Durchblutung im Körper zuständig und steuert die inneren Organe.

 

Zum anderen produziert die Hirnanhangdrüse das Hormon ACTH, was für die Ausschüttung von Cortisol in der Niere verantwortlich ist. Hier entsteht eine Überproduktion. Viel zu wenig Dopamin und viel zu viel Cortisol bringen nun den kompletten Stoffwechsel durcheinander und sorgen für die Vielfalt an Symptomen.

 

Symptome: Cushing betrifft normalerweise erst Pferde ab einem Alter von 15 Jahren. Die Symptome beim Cushing erstrecken sich von Fellwechselstörungen (ganzjährig langes, lockiges Fell), Hufrehe, starke Abmagerung, Schwitzen, Fettumverlagerung (Fett wandert an den Hals und über die Augen), starker Durst und Wasserlassen, Apathie bis hin zur Infektanfälligkeit.

 

Was ist zu tun?: Ein Bluttest kann Cushing relativ sicher diagnostizieren, vorausgesetzt er wird korrekt durchgeführt. Es gibt verschiedene auch pflanzliche Medikamente, die das Equine Cushing Syndrom zwar nicht heilen, aber immerhin erleichtern können. Euer Tierheilpraktiker kann außerdem mit Akupunktur unterstützen.

Wurmbefall

Es gibt viele verschiedene Arten von Würmen, die Pferde befallen können. Sie nisten sich im Magen, im Darm, in der Leber oder der Lunge ein oder befallen die Haut oder Augen.

 

Ursachen: So verschieden die Würmer, so verschieden auch die Ursachen. Man muss wissen, dass die Pferde den Würmern als Wirtstier dienen. Dort können sie sich (ungestört) vermehren, sich ernähren und wachsen. Ansteckung kann auch von einem Pferd auf das andere erfolgen, wenn die Würmer im Kot sich auf der Koppel verteilen und die Pferde diese beim Grasen fressen. Darum ist das tägliche Abäppeln der Koppeln ein Muss.

 

Symptome: Die befallenen Tiere zeigen einen Leistungsabfall, Appetitlosigkeit, Abmagerung, Koliksymptome und Durchfall. Gegebenenfalls sind Würmer im Kot zu finden.

 

Was ist zu tun?: Der Tierarzt kann mit einer Wurmkur den akuten Wurmbefall abtöten. Dies ist aber nur für den Moment, nicht von Dauer! Außerdem ist Hygiene im Stall und auf dem Koppeln (regelmäßiges Ausmisten bzw. Abäppeln) unerlässlich.

 

Prophylaxe: Lassen Sie den Kot Ihrer Pferde regelmäßig auf einen Wurmbefall testen. Eine Wurmkur ist ein starker Angriff auf das Immunsystem und die Darmflora. Sollte Ihr Pferd aktuell einen minimalen Wurmbefall aufweisen, lässt sich das sehr gut homöopathisch behandeln. Achten Sie zudem auf eine gute Stall- und Weidehygiene!